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Heizungswasser aufbereiten: VDI 2035, Grenzwerte und Verfahren

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Ratgeber Heizungswasser

Rund 70 Prozent des Energieverbrauchs in deutschen Haushalten entfallen laut Umweltbundesamt auf die Heizung. Wie effizient Kessel, Wärmepumpe und Fußbodenheizung arbeiten, hängt auch vom Wasser ab, das in ihnen zirkuliert. Kalk, Korrosion, Gase und Biofilme kosten Leistung und Lebensdauer. Die VDI 2035 beschreibt, wie Füll- und Ergänzungswasser beschaffen sein muss. Dieser Ratgeber erklärt die Grenzwerte und die Verfahren, mit denen Sie sie einhalten.

Kalk vermeiden

Schon 2 bis 3 mm Kesselstein senken die Wärmeübertragung um bis zu 20 Prozent. Weiches oder vollentsalztes Füllwasser verhindert die Ablagerung.

Korrosion stoppen

Sauerstoff, falscher pH-Wert und hohe Leitfähigkeit lassen Stahl, Aluminium und Kupfer korrodieren. Salzarmes Wasser mit pH 8,2 bis 10 schützt alle Materialien.

Garantie sichern

Fast alle Hersteller moderner Heizungen und Wärmepumpen fordern aufbereitetes Wasser nach VDI 2035, oft als Voraussetzung für die Garantie.

Was die VDI 2035 verlangt

Die Richtlinie VDI 2035 ist der Maßstab für Füll- und Ergänzungswasser in Warmwasserheizungen. Sie begrenzt die Gesamthärte abhängig von der Heizleistung und dem spezifischen Anlagenvolumen, legt den pH-Bereich fest und unterscheidet zwischen salzarmer und salzhaltiger Fahrweise. Seit der Ausgabe 2021 rät sie weitgehend vom Einsatz chemischer Zusätze ab und nennt die kontinuierliche Aufbereitung im Teilstrom als bevorzugte Lösung.

GesamtheizleistungZulässige Gesamthärte des Füllwassers*Hinweis
bis 50 kW≤ 16,8 °dH (3,0 mol/m³)bei spezifischem Anlagenvolumen unter 20 l/kW
50 bis 200 kW≤ 11,2 °dH (2,0 mol/m³)größeres spezifisches Volumen verlangt weicheres Wasser
200 bis 600 kW≤ 8,4 °dH (1,5 mol/m³)ab 50 l/kW nur noch vollentsalztes Wasser
über 600 kW< 0,11 °dH (0,02 mol/m³)praktisch vollentsalzt

*Richtwerte nach VDI 2035 Blatt 1 für Anlagen mit geringem spezifischem Volumen. Bei Wärmepumpen, Fußbodenheizungen und Pufferspeichern ist das Anlagenvolumen je Kilowatt oft deutlich höher, dann sinkt die zulässige Härte weiter. Viele Hersteller fordern unabhängig davon vollentsalztes Wasser mit unter 100 µS/cm. Die Leitfähigkeit unterscheidet die beiden Fahrweisen: salzarm unter 100 µS/cm, salzhaltig 100 bis 1.500 µS/cm. Der pH-Wert soll zwischen 8,2 und 10,0 liegen, bei Aluminiumbauteilen höchstens 9,0.

Heizungswasser zirkuliert durch alle Anlagenteile

Vom Kessel oder der Wärmepumpe fließt das Wasser über Pufferspeicher, Verrohrung, Pumpen und Ventile zu Heizkörpern oder Flächenheizungen und zurück. Dabei berührt es Stahl, Eisen, Aluminium, Kupfer, Messing und Kunststoffe. Jede Abweichung in der Wasserqualität wirkt deshalb auf die ganze Anlage, nicht nur auf den Kessel.

Die vier Gefahren im Heizungswasser

Kalkablagerungen und Verschlammung

Enthält das Füllwasser zu viele Härtebildner, fällt bei Betriebstemperatur Calciumcarbonat aus. Der Kesselstein setzt sich an den heißesten Stellen ab, verengt Querschnitte und isoliert den Wärmetauscher: 2 bis 3 mm Belag können die Wärmeübertragung um bis zu 20 Prozent verringern. Lose Partikel sammeln sich als Schlamm in Heizkörpern und Pumpen.

Korrosion und Gasbildung

Über Füll- und Ergänzungswasser sowie durch diffusionsoffene Kunststoffleitungen gelangt Sauerstoff ins System. Zusammen mit gelösten Salzen und einem zu niedrigen pH-Wert greift er metallische Bauteile an. Rost, Wasserstoffbildung und gurgelnde Heizkörper sind die Folge. Druckhaltung nach VDI 4708, regelmäßiges Entgasen und korrektes Nachspeisewasser halten das Risiko klein.

Mikrobiell beeinflusste Korrosion

Bakterien und Biofilme im Heizungswasser produzieren Gase wie Methan oder Schwefelwasserstoff und senken den pH-Wert. Fällt der pH-Wert plötzlich unter 8,2, ist das ein Warnsignal. Farbe, Geruch und pH-Wert sollten deshalb regelmäßig geprüft und im Anlagenbuch dokumentiert werden.

Falsche Nachspeisung

Die beste Erstbefüllung nützt wenig, wenn später mit unbehandeltem Leitungswasser nachgefüllt wird. Jede Nachspeisung bringt neue Härte und neuen Sauerstoff mit. Eine automatische Füllarmatur mit Vollentsalzung speist nur aufbereitetes Wasser nach.

Verfahren: Filtrieren, Enthärten, Entsalzen, Entgasen

  • Filtrieren: Abscheider und Schlammfilter entfernen Rost und Partikel aus dem Kreislauf, das Filtermaterial wird regelmäßig gewechselt.
  • Enthärten: Calcium und Magnesium werden gegen Natrium getauscht. Die Steinbildung ist damit unterbunden, der Salzgehalt und die Leitfähigkeit bleiben unverändert, das entspricht der salzhaltigen Fahrweise.
  • Vollentsalzen: Mischbettharz entfernt alle gelösten Salze. Vollentsalztes Wasser ist immer auch enthärtet und erfüllt die salzarme Fahrweise unter 100 µS/cm. Dafür gibt es die KadoTherm-Vollentsalzungspatrone in Baugrößen von 4 bis 100 Litern Harz.
  • Entgasen: Sauerstoff und andere Gase werden dem System entzogen, die Grundvoraussetzung gegen Korrosion.
  • Alkalisieren: Stellt sich der pH-Wert nicht von selbst im Bereich 8,2 bis 10,0 ein, können Inhibitoren nötig sein. Die VDI 2035 rät seit 2021 jedoch weitgehend von Chemikalien ab und bevorzugt die Teilstromaufbereitung.

Teilstromverfahren: Aufbereitung im laufenden Betrieb

Beim Teilstromverfahren wird ein Teil des Heizungswassers im Bypass über eine Aufbereitungseinheit geführt und zurück ins System gegeben. So wird auch eine bestehende Anlage im Betrieb schrittweise auf die geforderte Qualität gebracht, ohne Entleerung und ohne Chemie. Die VDI 2035 nennt das Verfahren ausdrücklich als bevorzugte Maßnahme, idealerweise schon bei der Erstbefüllung.

So setzen Sie es in der Praxis um

  1. Füllwasser analysieren: Härte und Leitfähigkeit des Leitungswassers messen, Heizleistung und Anlagenvolumen ermitteln.
  2. Zielwert festlegen: Herstellervorgabe prüfen, in der Regel vollentsalzt unter 100 µS/cm und pH 8,2 bis 10,0.
  3. Befüllen über eine Vollentsalzungspatrone, bei Systemtrennung nach DIN EN 1717 mit Systemtrenner Typ BA.
  4. Nachspeisung automatisieren: Die automatische Füllarmatur von Caleffi mit KadoTherm-Vollentsalzung hält den Anlagendruck konstant und speist nur vollentsalztes Wasser nach, ganz ohne Strom. Ein Indikatorharz zeigt per Farbumschlag, wann die Kartusche erschöpft ist.
  5. Messen und dokumentieren: Leitfähigkeit mit dem Leitwertmessgerät LFM E2, pH-Wert und Nachspeisemenge ins Anlagenbuch eintragen, das die VDI 2035 verlangt.
Hinweis: Für die Befüllung von Heizungen aus dem Trinkwassernetz ist nach DIN EN 1717 und DIN 1988-100 ein Systemtrenner erforderlich. Die Caleffi Füllkombi BA bringt ihn bereits mit.

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Häufige Fragen

Muss ich mein Heizungswasser aufbereiten?

Bei Neubefüllung praktisch immer: Die VDI 2035 und fast alle Hersteller fordern es, oft als Garantiebedingung. Bei Bestandsanlagen lohnt eine Messung von Härte, Leitfähigkeit und pH-Wert, um den Bedarf festzustellen.

Enthärten oder vollentsalzen?

Enthärten verhindert Kalk, lässt den Salzgehalt aber unverändert. Vollentsalzen schützt zusätzlich vor Korrosion und erfüllt die salzarme Fahrweise unter 100 µS/cm, die viele Hersteller verlangen. Im Zweifel vollentsalzen.

Welcher pH-Wert ist richtig?

Zwischen 8,2 und 10,0. Sind Aluminiumbauteile verbaut, zum Beispiel Wärmetauscher, höchstens 9,0.

Wie viel Patronenkapazität brauche ich?

Eine 10-Liter-KadoTherm-Patrone liefert bei 300 µS/cm etwa 1.250 Liter vollentsalztes Wasser, eine 20-Liter-Patrone etwa 2.700 Liter. Bei härterem Rohwasser halbiert sich die Kapazität, das Anlagenvolumen bestimmt die Baugröße.

Kann ich eine bestehende Anlage ohne Entleeren umstellen?

Ja, mit dem Teilstromverfahren. Ein Bypass führt das Wasser schrittweise über die Aufbereitung, bis die Zielwerte erreicht sind.

Welche Patrone passt zu Ihrer Heizung?

Nennen Sie uns Heizleistung, Anlagenvolumen und Wasserhärte, wir empfehlen Baugröße und Füllarmatur.

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Gesetzliche Gewährleistung

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