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Nitrat im Brunnenwasser: Grenzwerte, Risiken und wie Sie Nitrat entfernen

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Ratgeber Nitrat

Nitrat ist die häufigste chemische Belastung in deutschen Brunnen – und die tückischste, weil man sie weder sieht, riecht noch schmeckt. Dieser Ratgeber erklärt, woher Nitrat kommt, welcher Grenzwert gilt, für wen es gefährlich ist und mit welchen Verfahren Sie Nitrat zuverlässig aus Brunnen- und Trinkwasser entfernen.

Grenzwert 50 mg/l

Die Trinkwasserverordnung setzt die Grenze bei 50 mg/l. Für Säuglingsnahrung gelten deutlich strengere Empfehlungen.

Unsichtbar, aber messbar

Nitrat sieht, riecht und schmeckt man nicht. Ein Schnelltest zeigt die Tendenz, die Laboranalyse liefert den Wert für die Auslegung.

Drei Verfahren

Selektives Ionenaustauscherharz, Umkehrosmose oder Nanofiltration: Welches Verfahren passt, entscheiden Nitratwert, Wasserbedarf und Begleitwerte.

Woher Nitrat im Grundwasser kommt

Nitrat entsteht, wenn Stickstoffverbindungen im Boden abgebaut werden. Hauptquellen sind Düngung in der Landwirtschaft (Gülle, Mineraldünger), undichte Abwasseranlagen und Sickergruben sowie Komposthaufen und Gärten in Brunnennähe. Der Boden hält Nitrat kaum zurück, es wird mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gewaschen. Betroffen sind deshalb vor allem flache Brunnen in landwirtschaftlich geprägten Regionen. Weil die Belastung mit Düngezeiten und Niederschlägen schwankt, sollten Eigenwasserversorger den Nitratwert regelmäßig prüfen.

Grenzwert und Gesundheitsrisiko

Die Trinkwasserverordnung legt für Nitrat einen Grenzwert von 50 mg/l fest. Nitrat selbst ist wenig giftig. Problematisch ist, dass es im Körper zu Nitrit umgewandelt wird. Nitrit blockiert den Sauerstofftransport im Blut. Bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten kann das zur sogenannten Blausucht (Methämoglobinämie) führen, weil ihr Stoffwechsel Nitrit noch nicht abbauen kann. Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung gelten deshalb deutlich strengere Empfehlungen: Mineralwasser darf den Hinweis „für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet" nur tragen, wenn es höchstens 10 mg/l Nitrat enthält. Auch für Schwangere und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wird ein möglichst niedriger Nitratgehalt empfohlen.

Für Tiertränken in der Landwirtschaft gilt: Hohe Nitratwerte beeinträchtigen die Gesundheit und Leistung von Nutztieren, insbesondere bei Rindern. Auch hier lohnt sich die Aufbereitung.

Nitrat messen: Schnelltest oder Labor

Für die laufende Kontrolle einer bestehenden Anlage reicht ein Schnelltest mit Teststreifen oder ein Nitrat-Messbesteck. Für die Auslegung einer Nitratfilteranlage und für den Nachweis gegenüber dem Gesundheitsamt brauchen Sie eine Laboranalyse. Sie liefert neben Nitrat auch Sulfat, Chlorid und Härte – diese Werte entscheiden mit darüber, welches Verfahren wirtschaftlich ist. Hinweise zur Probenahme finden Sie unter Wasseranalyse.

Die Verfahren zur Nitratentfernung im Vergleich

1. Nitratfilteranlage mit selektivem Ionenaustauscherharz

Das Standardverfahren für Haus, Hof und Landwirtschaft. Das Wasser durchströmt einen Drucktank mit nitratselektivem Anionenaustauscherharz. Das Harz bindet Nitrat und gibt dafür Chlorid ab. Ist die Kapazität erschöpft, regeneriert das Steuerventil das Harz automatisch mit Kochsalzlösung aus dem Solebehälter – genau wie bei einer Enthärtungsanlage. Selektive Harze bevorzugen Nitrat gegenüber Sulfat, sodass auch bei sulfathaltigem Wasser kein Nitrat schlagartig freigesetzt wird. Wie das Harz im Detail arbeitet, beschreibt unser Beitrag Selektivharz zur Nitratentfernung.

  • Vorteile: hohe Durchflussleistung für das ganze Haus, geringer Wasserverlust, niedrige Betriebskosten (Regeneriersalz), bewährte Technik mit Clack-Steuerventil
  • Grenzen: entfernt gezielt Nitrat, keine anderen Salze; das Harz muss vor Eisen, Mangan und Trübung geschützt werden
  • Bauformen: Kabinettanlage mit integriertem Salzbehälter für Einfamilienhäuser, Einzelanlage mit separatem Solebehälter für höheren Bedarf, Doppelanlage für unterbrechungsfreie Versorgung rund um die Uhr

2. Umkehrosmose

Eine Umkehrosmoseanlage presst das Wasser durch eine Membran, die gelöste Salze – und damit auch Nitrat – zu einem Großteil zurückhält. Das Verfahren ist die richtige Wahl, wenn neben Nitrat auch Sulfat, Chlorid oder ein hoher Gesamtsalzgehalt stören oder wenn nur Trinkwasser an einer Zapfstelle aufbereitet werden soll. Für die Versorgung eines ganzen Hauses ist sie aufwendiger: Sie erzeugt Konzentrat (Abwasser), benötigt einen Vorratstank und liefert sehr weiches, salzarmes Wasser, das nicht für alle Leitungsmaterialien geeignet ist. Anlagen finden Sie unter Osmose und Reinstwasser.

3. Nanofiltration

Die Nanofiltration arbeitet ähnlich wie die Umkehrosmose, hält aber gezielt mehrwertige Ionen und größere Moleküle zurück und lässt einen Teil der Mineralien im Wasser. Sie eignet sich, wenn Nitrat zusammen mit Sulfat, Pestizidrückständen oder Arzneimittelspuren entfernt werden soll. Mehr dazu auf unserer Seite Nanofiltration.

Was nicht funktioniert

Abkochen entfernt kein Nitrat, sondern konzentriert es durch das verdampfende Wasser sogar auf. Aktivkohlefilter, Tischfilter mit Kartuschen und einfache Enthärtungsanlagen entfernen Nitrat ebenfalls nicht.

Auslegung: Welche Anlage passt zu welchem Wasser?

Drei Werte bestimmen die Auslegung einer Nitratfilteranlage:

  1. Nitratgehalt im Rohwasser und der gewünschte Zielwert – die Anlage kann auch so eingestellt werden, dass ein Teilstrom aufbereitet und mit Rohwasser verschnitten wird, um einen Zielwert unter 50 mg/l zu erreichen und Salz zu sparen
  2. Wasserbedarf als Spitzendurchfluss (Anzahl Personen, Zapfstellen, Tiertränken) – er bestimmt die Größe des Drucktanks und des Steuerventils
  3. Begleitwerte: Sulfat und Chlorid konkurrieren um Kapazität; Eisen, Mangan und Trübung müssen vorgeschaltet entfernt werden

Geben Sie Ihre Analysewerte in den Brunnenwasser-Planer ein: Er stellt die Aufbereitungsstufen in der richtigen Reihenfolge zusammen und zeigt, ob eine Nitratfilteranlage allein ausreicht oder eine Vorfiltration nötig ist. Eine Übersicht aller Anlagen finden Sie unter Nitrat entfernen.

Installation, Betrieb und Wartung

Eine Nitratfilteranlage wird in die Hauptleitung nach der Brunnenpumpe und dem Druckbehälter eingebaut. Sie benötigt einen Abwasseranschluss für das Regenerierwasser, einen Stromanschluss für das Steuerventil und Platz für den Solebehälter. Im Betrieb beschränkt sich der Aufwand auf das Nachfüllen von Regeneriersalz und die Kontrolle des Nitratwerts mit einem Schnelltest. Einmal jährlich sollte ein Fachbetrieb Steuerventil, Injektor und Harz prüfen. Bei richtiger Auslegung hält das Selektivharz viele Jahre; ein Austausch ist erst bei nachlassender Kapazität nötig. Passendes Harz führen wir als Pure Resin PA 202.

Hinweis: Anlagen zur Herstellung von Trinkwasser für den menschlichen Gebrauch. Montage und Inbetriebnahme nur durch ausgebildetes Fachpersonal. Vor der Inbetriebnahme sind die hydraulischen Gegebenheiten und baulichen Bedingungen fachmännisch zu prüfen.

Häufige Fragen

Ab welchem Nitratwert brauche ich eine Anlage?

Als Trinkwasser darf das Wasser den Grenzwert von 50 mg/l nicht überschreiten. Wer Säuglingsnahrung zubereitet oder Nutztiere versorgt, sollte auch bei Werten unterhalb des Grenzwerts über eine Aufbereitung nachdenken.

Wie viel Nitrat entfernt eine Nitratfilteranlage?

Bei richtiger Auslegung liegt der Nitratgehalt nach der Anlage deutlich unter dem Grenzwert. Über die Verschneidung mit Rohwasser lässt sich ein gewünschter Zielwert einstellen.

Verändert die Anlage den Geschmack?

Das selektive Harz tauscht Nitrat gegen Chlorid. Bei sehr hohen Nitratwerten kann der Chloridgehalt leicht steigen; geschmacklich ist das in der Regel nicht wahrnehmbar.

Kann ich Nitrat- und Enthärtungsanlage kombinieren?

Ja. Beide arbeiten nach dem Ionenaustauschprinzip und werden hintereinander installiert. Der Brunnenwasser-Planer zeigt die passende Reihenfolge.

Wer prüft mein Brunnenwasser?

Eigenwasserversorger sind für die Qualität ihres Wassers selbst verantwortlich. Das zuständige Gesundheitsamt legt fest, welche Untersuchungen in welchen Abständen erforderlich sind. Für Beratung zur Auslegung stehen unsere Techniker zur Verfügung: Technische Beratung.

Nitrat im Wasser? Wir legen die Anlage für Sie aus.

Senden Sie uns Ihre Wasseranalyse oder nutzen Sie den Brunnenwasser-Planer. Sie erhalten einen Vorschlag mit der passenden Anlagengröße.

Zum Brunnenwasser-PlanerNitratfilteranlagen ansehen

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